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Flockey Ocscor über Rhythmus, Taktgefühl und Freiheit
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Flockey Ocscor über Rhythmus, Taktgefühl und Freiheit

Er gilt als Legende, wenn es um Locking geht – und dabei ist nicht das Zusperren einer Tür gemeint, sondern ein sehr freier Tanzstil. Flockey Ocscor, 26, Tänzer, Musiker, Choreograf, erzählt uns am Rande des Fotoshootings mit BAM unter anderem, warum Locking für ihn Freiheit, aber nicht das Ende seiner persönlichen Entwicklung bedeutet.

  • Text:
    Matthias Mederer
  • Fotos :
    BAM Photographers represented by Kai Tietz

Seinen Führerschein habe er erst seit Kurzem. So begrüßt uns Flockey Ocscor fröhlich zum Shooting in Düsseldorf. Spürbar zuckt eine Schrecksekunde durch die Teammitglieder am Set, schließlich ist ein fabrikneuer SEAT Leon wesentlicher Bestandteil des Shootings, mit dem soll Flockey, wie er von allen genannt wird, durch seine Stadt Düsseldorf führen – bis nach Köln. Ein Assistent bricht das Schweigen schulterzuckend: »Immerhin, er hat einen Führerschein.« Den Rest der Anspannung nimmt Flockey selbst: »Coole Farbe, cooles Auto. Ein Freund von mir hat auch einen Leon, und er ist begeistert ... Ach schau, ist sogar ein Automatikgetriebe. Also alles easy.«

Im weitesten Sinne ist Autofahren ja auch wie Tanzen: Es geht um Körperbeherrschung, Rhythmus- und Taktgefühl. Und in diesem Punkt macht Flockey am Set keiner was vor. Aus dem Stegreif heraus performt er für den Fotografen: mühelos, ansatzlos und wenn gewünscht, dann wiederholt er eine Figur oder ein Element, verharrt gerne auch in einer Position, verliert weder Spaß noch Geduld. Fotocrew und Protagonist kannten sich im Vorfeld noch nicht, beide aber machen so etwas nicht zum ersten Mal. Und das spürt man. Konzentrierte Lockerheit bei der Arbeit. Binnen Minuten entstehen gleich mehrere Motive und Varianten. Bei einer improvisierten Mittagspause haben wir Gelegenheit, mit Flockey zu sprechen.

Flockey Ocscor (26): Tänzer, Musiker, Choreograf.

Wie gefällt dir das Shooting bisher?
Ziemlich cool. Die Chemie stimmt, würde ich sagen, und wir produzieren jede Menge Material und kommen gut voran. Macht wirklich Spaß!

Wie unterscheidet sich das Tanzen für einen Fotografen, bei dem ja eine Bewegung beziehungsweise Figur für ein Bild eingefroren wird, mit dem Tanzen für ein Publikum oder eine Filmkamera?
Es ist tatsächlich ein bisschen anders, aber ich habe so etwas schon oft gemacht und komme ursprünglich ja auch aus dem Bereich des Dance Battle, bei dem man gegeneinander im Wettstreit antritt. Ich bin es also gewohnt, auf eine Person ausdrucksstark zuzutanzen, und improvisiere ganz gern.

Sieht man einem Foto eigentlich an, ob ein Tänzer eine Figur oder einen Stil für das Bild »gestellt« hat, oder ob das Foto aus der echten Bewegung heraus aufgenommen wurde?
Meistens sieht man es dem Foto nicht an, dafür müsste man dann schon eine Sequenz sehen.

Im weitesten Sinne ist Autofahren ja auch wie Tanzen: Es geht um Körperbeherrschung, Rhythmus- und Taktgefühl.

Was genau hat deine Leidenschaft für das Tanzen entfacht?
Eigentlich war es mein Bruder. Ich habe es geliebt, ihm beim Tanzen zuzuschauen. Und wie man das als kleiner Bruder so macht, man ahmt nach. Ich habe das zunächst heimlich im Bad gemacht, dort, wo mich niemand sehen konnte. Erst als ich ein bisschen Sicherheit hatte, war ich auch selbstbewusst genug, vor »Publikum« zu performen (lacht). Eine meiner größten Inspirationsquellen war sicherlich auch die Kultur meines Heimatlandes, dem Kongo. Ich war immer fasziniert davon zu sehen, wie sich meine Familie und Freunde zur Musik bewegen. Wenn die Kirchengemeinde zusammenkam, war das immer ein Fest mit vielen Trommeln. Das war sehr beeindruckend. Heute versuche ich, in Deutschland tänzerisch zu vermitteln, wo meine Wurzeln liegen.

Und wer waren die weiteren prägenden Vorbilder?
Eindeutig James Brown und Michael Jackson. Wobei James Brown mit seinen Slides und Steps sicherlich die Grundlage legte. Michael Jackson hat das dann weiterentwickelt. Und wenn du dir heute anschaust, was die aktuellen Generationen machen, lässt sich meiner Meinung nach vieles auf diese beiden zurückführen. Zudem habe ich natürlich viel auf den Locking-Erfinder Don »Campbellock« Campbell geschaut.

Was bedeutet Locking für dich?
Freiheit. In einem Wort. Ergänzend vielleicht noch »aufrichtig« und »echt«. Ich habe im Laufe der Zeit natürlich verschiedene Stile probiert, meist direkt beeinflusst von der Musik, die ich während der entsprechenden Phasen gut fand. Ich habe Hip-Hop, House, Popping, Crumping gemacht. All diese Stile haben mich natürlich geprägt und letztendlich dazu beigetragen, dass ich heute Locking tanze.

Betrachtest du Locking als Lebensgefühl?
Nein, das würde ich nicht sagen. Früher, in den 1970ern, mag es eine Art Lifestyle gewesen sein, auch mit der entsprechenden Fashion und allem. Aber eine Lebensphilosophie in einer Art spirituellem Sinne ist es für mich jetzt nicht.

Ist Locking für dich ein weiterer Schritt hin zu einer anderen Form?
Für den Moment fühle ich mich mit Locking absolut wohl, aber natürlich entwickle ich mich jeden Tag weiter und bin neugierig und probiere gerne Sachen aus; deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich hier eines Tages weiterziehe und einen anderen Stil für mich entdecke. Überhaupt bin ich der Meinung, man sollte nie aufhören zu lernen ...

»Ich will nicht sagen, hier kennt jeder jeden, aber man bewegt sich häufig in einem sehr vertrauten Umfeld, mit vertrauten Gesichtern.«

Eine Ansage der Crew unterbricht unser Gespräch. Locationwechsel. Flockey soll mit dem SEAT Leon fahren. Ein Assistent programmiert das Navigationssystem. Ein paar Kilometer geht es durch Düsseldorf. Wir fahren bei Flockey mit. »Ich mag vor allem den Innenraum«, sagt er, »gibt dir ein gutes Gefühl. Alles wirkt sehr wertig und stimmig.« Flockey fährt unaufgeregt, lässt andere Verkehrsteilnehmer beim Spurwechsel auch mal vor, schwimmt vorbildlich im Stadtverkehr mit. Wir sprechen ein wenig über Düsseldorf.

Was macht die Stadt für dich aus?
Düsseldorf ist für mich ein bisschen was von allem. Einerseits hat es eindeutige Facetten einer Großstadt, andererseits aber ist es schon auch ein bisschen wie ein Dorf. Ich will nicht sagen, hier kennt jeder jeden, aber man bewegt sich häufig in einem sehr vertrauten Umfeld, mit vertrauten Gesichtern. Ich genieße das sehr.

Natürlich hört Flockey beim Autofahren seine eigene Playlist. Gerade läuft NxWorries mit »Yes Lawd«. Das zieht die Frage nach sich, welche Songs bei einem Roadtrip auf der Playlist nicht fehlen dürfen.
Puh, schwierige Frage. Da gibt es so viele Songs. Vielleicht einfach mal ein paar, die mir spontan einfallen, und da nehme ich doch direkt NxWorries mit »Yes Lawd«. Dann vielleicht noch Childish Gambino mit »Redbone«, Tupac mit »Temptations« und natürlich ein Song von James Brown – »Superbad« finde ich klasse.

»James Brown hat mit seinen Slides und Steps die Grundlage gelegt. Michael Jackson hat es dann weiterentwickelt.«

Rasch wird aus dem Interview ein lockeres Gespräch. Flockey erzählt von seinen Reisen, von Lombok, der Nachbarinsel von Bali, auf der er mehrere Wochen verbracht hat, aber auch von Rio de Janeiro; er war zwei Mal da, zuletzt im Jahr 2015. Damals lebte er mitten in den Favelas. Für ihn bis heute eine der intensivsten und ehrlichsten Reiseerlebnisse. Kurz darauf kommen wir am neuen Set an. Flockey parkt den Leon. Nach ein, zwei Einweisungen steht der Wagen dann auch genau so, wie sich die Fotografen das gewünscht haben. Und schon kurz darauf klickt wieder der Auslöser. 
→ Instagram: @flockeyocscor

© BAM PHOTOGRAPHERS REPRESENTED BY KAI TIETZ • ARTIST: FLOCKEY OCSCOR • CASTING: EVERYDAY PEOPLE • STYLING: NATALIE SCHNEIDER • PRODUKTION: SIMON SAYS

Abbildungen zeigen Sonderausstattungen.

SEAT Leon 1.5 eTSI ACT 110 kW DSG (150 PS): Kraftstoffverbrauch Benzin, kombiniert: 4,9 l/100 km; CO₂-Emissionen, kombiniert: 112 g/km; CO₂-Effizienzklasse: A* 


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