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Christian Doppelgatz: »Als Fotograf bin ich ganz im Hier und Jetzt«
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Christian Doppelgatz: »Als Fotograf bin ich ganz im Hier und Jetzt«

Menschen und Kulturen – das Interessanteste überhaupt für Christian Doppelgatz. Nicht nur wenn er hinter der Kamera steht, sondern auch sonst. Wie er seine Mitte zwischen Berlin und Südafrika, aber auch zwischen Action und Entspannung findet? Erklärt er uns im Interview. Und unternimmt dabei einen Exkurs in die Philosophie.

  • Interview:
    Marko Knab
  • Fotos:
    Christian Doppelgatz

Am liebsten mag er Geschichten, wenn sie authentisch sind. Wenn alles spontan und ungestellt ist. Deshalb fotografiert Christian Doppelgatz besonders gerne andere Menschen. Seine Qualitäten hinter der Kamera hat er beim Shooting mit Afina und Adnan wieder gezeigt. Doch der Berliner und Wahl-Kapstädter ist mehr als nur ein Fotograf. Sondern auch passionierter Weltenbummler – und ein echter Philosoph. Grund genug, ausführlicher mit ihm zu reden. Und ein bisschen über die Fotografie, das Leben und alles andere zu philosophieren.

Hallo Christian! Die Making-Of-Bilder vom Shooting mit Adnan und Afina sehen aus, als hättet ihr eine Menge Spaß gehabt. Erzähl doch mal, was ihr drei genau gemacht habt!
Wir sind in Berlin um die Häuser gezogen und haben Adnans und Afinas Tanzkunst, coole Locations und den knallroten Seat Leon fotografiert. Ganz spontane Aktionen! Die beiden dachten zwischenzeitlich, ich sei verrückt, weil ich gar nicht mehr aufgehört habe zu knipsen. Wenig war geplant, viel improvisiert. Ihr Lachen über mein »Geballer« hat zur Leichtigkeit beigetragen. Ich bin ja immer auf der Suche nach ungestellten Momenten. Davon hatten wir sehr viele. Und zwischen Jumps und Tacos hatten wir einen richtig spaßigen Sommertag.

War es etwas Besonderes in »eurer« Stadt zu produzieren?
Das Schöne an dem Job für Seat war die kreative Freiheit. Wir haben einfach dort fotografiert, wo wir richtig Lust darauf hatten und wo Adnan und Afina Inspiration für ihren Dance finden. So wurde das Shooting zum Erlebnis und wir haben alle unsere Stadt noch einmal mit neuen Augen entdeckt. Besser geht es nicht.

Ich bin ja immer auf der Suche nach ungestellten Momenten. Davon hatten wir sehr viele.

Was ist Dein perfektes Kontrastprogramm, wenn Du mal Abwechslung von der Hauptstadt brauchst?
Ich verbringe viel Zeit auf dem Land und in der Natur in Südafrika. Hier gibt es viele Sehnsuchtsorte, wo ich meine Batterien wieder aufladen kann. Barfuß über Waldpfade spazieren, unter Wasserfällen duschen, mit Delfinen in der Brandung der Wildcoast baden, die absolute Ruhe der Karoo auf mich wirken lassen, durch die Amathola-Berge reiten. Mit der inneren Ruhe, die ich von dort mitbringe, stürze ich mich dann auch immer wieder gerne in die aufregende Hektik der Großstadt.

Du sagst über Dich selbst, dass Du gerne zwischen Kulturen unterwegs bist und in sie eintauchst. Woher kommt dieser Wunsch bei Dir? Und wie schaffst Du es, ihn Dir in der aktuellen Situation zu erfüllen?
Ja, das stimmt. Das Pendeln zwischen Kulturen ist seit meiner ersten Weltreise nach dem Abitur fester Teil meines Lebens. Damals reiste ich mit zwei guten Freunden mehrere Monate durch die Türkei, den Iran, Pakistan und Indien. Jedes Land und jede Begegnung war völlig anders, als ich mir das vorher vorgestellt hatte. Positiver, lebendiger und persönlicher. Seitdem suche ich immer wieder den Kontakt zu fremden Kulturen und Menschen. Für mich ist es das Allerwichtigste, dass wir unsere Unterschiede und Vorurteile überwinden und als große Familie zusammenkommen.

In der aktuellen Situation mache ich keine Fernreisen. Die meiste Zeit verbringe ich gerade in einem kleinen Dorf in Südafrika, außerhalb von Kapstadt. Auch das ist eine neue Erfahrung. Hier entdecke ich die Welt im Kleinen noch mal neu. Klar vermisse ich die Fernreisen, aber wenn ich in dem Ort mit den Dorfbewohnern, Alt und Jung, schwarz und weiß und alles dazwischen, am Lagerfeuer sitze, dann bin ich auch dankbar für diese »Pause«, die noch mal ganz andere Horizonte öffnet.

Was macht Dich neben der Fotografie und dem Reisen noch aus? Erzähl mal ein bisschen über Dich.

Zur Fotografie kam ich relativ spät, eigentlich wollte ich immer Maler werden. Nach einer verpatzten Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule hatte ich aber nicht den Mut, es noch einmal zu versuchen. Stattdessen habe ich Philosophie und Medienwissenschaften studiert. Das Philosophieren ist auch eine meiner heimlichen Leidenschaften. Ich lese gerne dicke Bücher mit großen Themen. Auch das ist ein Kontrastprogramm zu der Energie und Action, die ich gerne bei Fotoshootings veranstalte.

Wie bist Du dorthin gekommen, wo Du jetzt bist?
Ich hatte schon als junger Student eine eigene kleine Dunkelkammer in meiner WG. Als ich dann einen kleinen Nebenjob als Fotoassistent bei einem lokalen Fotografen annahm, stand schnell fest: Das will ich beruflich machen. Ich lernte dann mehrere Jahre mein Handwerk als fester Fotoassistent bei tollen Fotografen und wurde schließlich selbst professioneller Fotograf.

Wenn wir durch Deinen Instagram-Feed scrollen, fällt uns schnell auf: zahlreiche Menschen an verschiedensten Orten und in verschiedensten Settings. Was macht Menschen zu Deinem Lieblingsmotiv?
Auch das geht zurück auf meine erste Erfahrung mit dem Reisen durch fremde Kulturen. Ich finde, dass jeder Mensch eine interessante Geschichte zu erzählen hat. Als Philosoph faszinieren mich die Geschichten der Menschen, die lange vor uns ihre Spuren hinterlassen haben. Als Fotograf bin ich ganz im Hier und Jetzt und hoffe, dass ich selbst ein paar Spuren einfangen kann von den vielen Leben, die wir alle leben.

Die Aufnahmen wirken alle sehr natürlich. Wie wichtig ist Dir Authentizität?
Klar, Authentizität ist mir wichtig. Ich freue mich immer sehr, wenn die Menschen etwas Echtes von sich preisgeben. Das kann man nicht erzwingen. Es zu ermöglichen, ist für mich die Kunst des Fotografierens.

Ich freue mich immer sehr, wenn die Menschen etwas Echtes von sich preisgeben. Das kann man nicht erzwingen.

Wie kannst Du Deinen eigenen Anspruch an Bilder mit den Kundenwünschen in der Werbe- und Lifestylefotografie in Einklang bringen?

Mir ist es egal, ob ich für Kunden oder für mich selbst arbeite, der Anspruch bleibt immer der gleiche: den Moment einzufangen, der am natürlichsten eine Geschichte erzählt. Viele Kunden wünschen sich heutzutage Authentizität in ihren Motiven, aber nicht alle haben den Mut, auch mal loszulassen. Das kann ich total verstehen, schließlich geht es bei Produktionen um viel. Ich denke, es ist eine meiner Stärken als Fotograf, dass ich Vertrauen und Sicherheit schaffen kann, während ich gleichzeitig Räume für Leichtigkeit und Echtheit öffne.

Mal abgesehen von der Arbeit: Was bedeutet Dir die Fotografie? Und was möchtest Du mit ihr ausdrücken?
Für mich war Fotografie schon immer eine wunderbare Rechtfertigung, um in die Welt hinauszugehen und Begegnungen zu haben. Irgendwie möchte ich immer wieder die Gefühle vermitteln, die ich auf meiner ersten großen Reise hatte: Offenheit und Verbundenheit.

Irgendwie möchte ich immer wieder die Gefühle vermitteln, die ich auf meiner ersten großen Reise hatte:

Offenheit und Verbundenheit.

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