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»Ich versuche, mit jedem Bild eine Geschichte zu erzählen«
Culture

»Ich versuche, mit jedem Bild eine Geschichte zu erzählen«

Fotografieren und Surfen – das sind die zwei großen Leidenschaften von Max von Treu. Wie gut, dass bei unserem Shooting beides zusammenkam.

  • Text:
    Iris Soltau

Es gibt kaum einen deutschen Promi, den er noch nicht abgelichtet hat – inklusive der kompletten Mannschaft des FC Bayern. Daneben ist er ein gefragter Modefotograf: Max von Treu, so viel steht fest, liebt seinen Job, sonst wäre er nicht so erfolgreich. Mit sechs Jahren bekam er die erste Schnappschusskamera geschenkt, seitdem betrachtet der Münchner die Welt durch eine Linse. Nach dem Abitur studierte er in London Mixed Media Arts, wobei sein Fokus zunächst auf dem Filmemachen lag. Heute lebt und arbeitet Max von Treu in München und Berlin. Im Interview spricht der 41-Jährige über seine zweite große Liebe – Wellenreiten – und er erklärt, warum es für einen Fotografen gerade heute so wichtig ist, eine eigene künstlerische Sprache zu finden.

»Unterschiedliche Kulturen und Settings bedeuten automatisch einen Perspektivwechsel.«

Nach dem Filmstudium bist Du zur Modefotografie gewechselt. Hast Du den Wunsch, Geschichten zu erzählen, mitgenommen?
Auf jeden Fall. Ich finde es wichtig, dass Fotos mehr sind als nur schön. Im Idealfall eröffnet das Bild einen Dialog mit dem Betrachter und erzählt uns eine Geschichte. Natürlich ist das bei einem Foto abstrakter als bei einem Film, da Elemente wie Bewegung und Ton fehlen. Und trotzdem versuche ich mit einem einzigen Schuss die Essenz eines Ablaufes und die Aussage einer Story darzustellen.

Wie würde ein Film über Dein Leben heißen?
»Sex, Surf and Photographs«.

Apropos Surfen. Für unser Shooting hast Du Noah auf der Welle fotografiert. Was bedeutet Dir dieser Sport?
Neben dem Fotografieren ist Surfen meine zweite große Sucht. Dabei kann ich komplett abschalten. Es gibt mir ein unbeschreibliches Glücksgefühl, das mich sättigt und meinen Körper so sehr ermüdet, dass ich keine Energie mehr habe, mir über die großen und kleinen Themen des Lebens einen Kopf zu machen. Ein großartiger Zustand, den ich mir zumindest ein paar Mal im Jahr gönne. Eine »gute« Welle kann ich noch Jahre später in meinen Gedanken abrufen und mich daran erfreuen.

Im Idealfall eröffnet das Bild einen Dialog mit dem Betrachter und erzählt uns eine Geschichte.

Mit Noah und Christian, die Du für uns fotografiert hast, bist Du befreundet. Du porträtierst aber auch häufig Celebrities ­– wo liegen da die Herausforderungen?
Wichtig ist es, die prominente Person zu involvieren und für das Projekt zu begeistern. Die Vorbereitungen müssen stimmen: Das Licht, die Location, das Team und meine Vision müssen sitzen, bevor der Star die Bühne betritt. Dann kann ich mich ihm zu hundert Prozent widmen.

Wen würdest Du gerne noch mal fotografieren?
Meinen verstorbenen Vater, und wenn es nur ein Selfie mit dem Handy wäre.

Gemeinsam mit der Malerin und Installationskünstlerin Oskar Rink hast Du im Sommer eine Ausstellung mit dem Titel »Isolation Diary« gezeigt: eine Fotoserie, die während des ersten Covid-19-Lockdowns entstanden ist. Planst Du in Zukunft noch mehr Kunstprojekte?
Oskar und ich sind schon an unserem nächsten Projekt dran. Kunst und Fotografie sind für mich keine getrennten Welten. In einer durch Bilder gesättigten Gesellschaft ist es umso wichtiger, als Fotograf seine künstlerische Sprache zu definieren. 

Neben dem Fotografieren ist Surfen meine zweite große Sucht.

Jetzt befinden wir uns im zweiten Lockdown, was vermisst Du am meisten?
Den persönlichen Austausch mit anderen Menschen – vor allem meinen Freunden und meiner Familie. Auch das Reisen, beruflich wie privat. Vor Corona war ich selten länger als drei Wochen am Stück an dem gleichen Ort.

Inspirieren Dich Reisen?
Absolut. Unterschiedliche Kulturen und Settings bedeuten automatisch einen Perspektivwechsel auf die eigene Formsprache, auf die eigenen Vorlieben. Ich fotografiere viel, wenn ich unterwegs bin. Es ist eine nötige und gesunde Auseinandersetzung mit mir und meiner Umwelt.

Für die Zeit nach Corona: Nenne uns drei Dinge, die man an einem Sonntag in München machen sollte …
Im Eisbach surfen, ein Spezi trinken und danach ins »Haus der Kunst«.

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