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René Turrek: Renaissance trifft Old School Hip-Hop © Maximilián Balázs
Art

René Turrek: Renaissance trifft Old School Hip-Hop

Klassische Ölgemälde haben ja normalerweise ein recht angestaubtes Image. Nicht so, wenn sich René Turrek ihrer annimmt. Mit Graffiti-Schriftzügen, knalligen Farben und provokanten Claims übersetzt der Künstler weltberühmte Ikonen in die moderne Zeit. Und bricht dabei auch gerne mal Tabus.

Lächelt sie nun oder doch nicht? Über die Mimik der Mona Lisa existieren inzwischen ganze Abhandlungen. Umso schwerer lässt sich einschätzen, wie sie wohl auf den Spruch reagiert hätte, den René Turrek in pinken, großen Lettern über das wohl bekannteste Kunstwerk der Welt geschrieben hat. Neben Leinwänden bemalt der deutsche Künstler Wände, Skulpturen und Autos. Sein wahrscheinlich prominentestes Ausstellungstück hört auf den Namen »Optimus Prime« und kämpft in Michael Bays Roboter-Blockbuster-Reihe »Transformers« gegen außerirdische Blechmonster. Im Interview erklärt Turrek, was es mit seiner Kunst auf sich hat, warum er jedem »Digital Detox« empfehlen würde und weshalb er grundsätzlich nichts mehr plant.

  • Text:
    Natalie Diedrichs
  • Foto:
    Maximilián Balázs

Wie würdest Du Deine Kunst beschreiben?
Ein wesentliches Merkmal meiner Kunst ist das Spiel mit Effektlack auf Leinwänden oder Fahrzeugoberflächen. Außerdem gehe ich sehr provokant mit alten Meisterwerken um. Ein Beispiel ist die Mona Lisa mit dem Claim. Das habe ich mir nicht einfach so ausgedacht, sondern es handelt sich um einen Songtext des Rappers AMG aus den frühen Neunzigern. Mit dem Claim möchte ich Da Vincis Ikone in die heutige Zeit bringen. Auf kontroverse Weise eben. Das gilt auch für meine anderen Bilder: Ich verbinde klassische Werke mit Texten aus dem Old School Hip-Hop, um ihnen so eine neue Relevanz zu geben.

Warum gerade Old School Hip-Hop?
Dieses Genre hat mich schon immer sehr geprägt. Ich verbinde damit all die unvergesslichen Erfahrungen und Erinnerungen des Erwachsenwerdens. Es vermittelt mir ein zeitlos-gutes Gefühl.

Hast Du die Mona Lisa eins zu eins so gemalt wie das Original?
Eins zu eins würde ich nicht sagen. Natürlich hatte ich nicht die Möglichkeit, mit denselben Farben zu arbeiten, weil die ja Hunderte Jahre alt sind. Die Töne können also schon nicht exakt passen. Und ich glaube auch, dass die Proportionen nicht zu hundert Prozent übereinstimmen. Wenn man beide in der gleichen Größe nebeneinanderstellen würde, sähe man wahrscheinlich deutliche Unterschiede. Aber für mich war wichtig, dass die Leute erkennen, dass es sich um die Mona Lisa handelt. Und das wird glaube ich klar. (lacht)

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Wie lange dauert es, so ein Ölgemälde zu machen?
Ein halbes Jahr ungefähr. Öl muss trocknen, das dauert ewig. Circa sechs Wochen lang sind die Farben dann offen. Das heißt, man kann sie also weiterhin verarbeiten. Bedeutet natürlich zum einen, dass man immer wieder etwas ändern kann, wenn’s nicht passt. Aber zum anderen muss man sehr lange warten, bis man einen neuen Teil des Werks beginnen kann.

Klingt nach einer sehr entschleunigenden Angelegenheit.
Ja, anfangs war es echt nervig, weil ich grundsätzlich ein recht ungeduldiger Mensch bin. Aber mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt.

Du sagst selbst, dass Du mit Deinen Werken provozierst. Das heißt, es gibt auch häufiger mal Kritik …?
Na und? Ich liebe es, die Gesichter der Menschen zu sehen, die meine Kunst betrachten. Egal, ob sie es lieben oder hassen. Hauptsache, sie beschäftigen sich damit.


Ich liebe es, die Gesichter der Menschen zu sehen, die meine Kunst betrachten. Egal, ob sie sie lieben oder hassen. Hauptsache, sie beschäftigen sich damit.


Wie ging das eigentlich alles bei Dir los?
Ich habe angefangen, Bilder auf Wände zu malen, zum Beispiel im Wynwood Art District in Miami. Gleichzeitig machte ich Ausstellungen mit Bildern auf Leinwänden. 20 Jahre ist das jetzt her. Beides basierte auf Auftragsarbeiten. Deshalb war der Stressfaktor entsprechend hoch, weil du deinen Kunden natürlich immer zufriedenstellen willst, damit er dich bezahlt. Das jedoch hemmt wiederum deine Kreativität. Dann kam die Sache mit Optimus Prime und die ersten Luxusautos, die ich angemalt habe. Zwischendurch immer wieder Ausstellungen auf der ganzen Welt, vor allem in den USA. Und jetzt, in meiner zweimonatigen »Digital Detox Pause«, kamen auch Skulpturen hinzu.

Digital Detox?
Ein halbes Jahr lang habe ich nichts mehr in den sozialen Medien gepostet und war auch ansonsten so gut es ging offline. Ich hatte es so satt, ständig Menschen zu sehen, die sich darin als etwas darstellen, das sie nicht sind. Stattdessen wollte ich Zeit mit meiner Familie verbringen und intensiv an meiner Kunst arbeiten – ohne digitale Einflüsse.

Und geht’s Dir jetzt besser?
Ja. So eine Pause gibt einem so viel Freiheit – gerade als Künstler. Man hat das Gefühl, endlich wieder richtig durchatmen zu können. Dieser Effekt hat mich wirklich erstaunt. Sollte meiner Meinung nach jeder mal machen, der kreativ ist.

Was hat es mit den Gorillas auf sich, die Du neuerdings bemalst?
Die Idee, mich in meiner Kunst mal mit einem Gorilla zu beschäftigen, verfolgt mich schon seit Ewigkeiten. Denn wenn meine Kunst ein Tier wäre, wäre sie ein Gorilla. Provokant, aber nicht gewalttätig. Kraftvoll und durchaus kontrovers. Der »King of the Jungle« – dazu passt dann auch, dass ich normalerweise ziemlich oft im Großstadtdschungel unterwegs bin. Die Gorilla-Skulpturen werde ich nun mit Effektlacken so gestalten, wie sie mir gefallen. Also keine Auftragsarbeit. Aktuell plane ich, einen pro Monat zu machen. Wenn sie sich verkaufen – gut. Wenn nicht, stelle ich sie bei uns in den Garten.

Woher nimmst Du Deine Inspiration?
Die kommt meistens während des künstlerischen Prozesses. Denn wenn ich mir etwas vornehme, ändern sich diese Pläne meistens innerhalb der ersten fünf Minuten meiner Arbeit. Und zwar ungefähr zehn Mal. Je länger ich plane, desto beschissener wird’s. Deshalb habe ich damit aufgehört, mir vorher einen Kopf zu machen.

Auch bei Autos?
Ja, auch bei Autos. Ich weiß nie genau, was ich vorher mache. Das Auto steht da, ich guck’s mir an. Es kann sein, dass mir nach fünf Minuten eine Idee kommt, manchmal dauert es auch eine Woche. Wenn ich dann sehr lange brauche, um die Idee umzusetzen, dann gefällt sie mir meistens nach der Hälfte der Zeit nicht mehr und ich ändere sie.

Wenn ich zu viel plane, wird’s eh nix. Von daher lasse ich mal alles entspannt auf mich zukommen.

Deine Idole?
Meine Familie, zum Beispiel mein Sohn. Er ist jetzt sechs Jahre alt, und wenn wir gemeinsam im Atelier sind, schnappt er sich eine Sprühdose und fängt an zu malen. Inzwischen hat er drei Leinwände gemacht. Das Beeindruckende an der Sache: Ich sehe so eine extreme Entwicklung bei ihm. Manchmal wünsche ich mir, so eine Entwicklung auch bei mir zu beobachten.

Vielleicht wird er auch mal ein Künstler.
Schauen wir mal. Aktuell möchte er gerne Dinosaurierforscher werden.

Was liegt bei Dir als Nächstes an?
In diesem Jahr ist noch eine Ausstellung in Saint Tropez geplant. Fingers crossed natürlich. Und sobald es geht, möchte ich wieder nach Miami fliegen, idealerweise zur Art Basel. Aber wie gesagt: Wenn ich zu viel plane, wird’s eh nix. Von daher lasse ich mal alles entspannt auf mich zukommen.

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